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Jesuitenkloster

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waren in ihr Vaterland abgereist. Der Obere und einige weitere Patres hatten sich versteckt beim Rektor des Klosters St.Pieter, Rector Eck, ein Onkel meiner Frau.
Dieser rief mich an mit der dringenden Bitte, ihn doch mal besuchen zukommen. Ich dachte nur, dass jetzt die Schwestern von St. Pieter an der Reihe wären, um nach Deutschland evakuiert zu werden, auch sie waren ja deutscher Herkunft. Aber im Zimmer des Rektor saßen die deutschen Mönche. Sie hatten nur eine große Sorge. Nämlich die heiligen Gefäße und kostbare Gewänder, denen sie einen sakralen Wert beimßen, dass die nicht in die Hände der heidnischen SSer fallen sollten. Ihre Vertreibung aus dem Kloster war schon ein paar Tage alt, und mehrere Familien in Valkenburg (vor allem Caselli und Wijsbek-Caselli) hatte schon Gemälde und andere zugängliche Dinge sicher gestellt. Sie hatten dies leicht tun können, weil das Kloster einige Tage leer gestanden hatte. Aber war jetzt ein Unternehmer mit Arbeitern dabei, den bevorstehenden Einzug der „Reichsschule“ vorzubereiten. Die Mönche fragten mich, als Präsident von K.A., ob ich jemanden kennte, der es wagen würde, ihre kostbren Besitztümer an Monstranzen, Kelchen, Messgewändern und Reliquien heraus zu holen. Sie befanden sich in einem Tresor unter der Sakristei ihrer Kirche. Ich versprach, mal nachzusehen, was gemacht werden konnte, und bekam die Schlüssel des Klosters und der Sakristei mit.
Der bloße Zufall arbeitete wieder mit. Ein Bauleiter der Arbeit im Kloster rief an, ob wir nicht die schmutzige Wäsche, die die Jesuiten zurückgelassen hatten, abholen, reinigen und zurückbringen könnten. Das war die große Chance, um am helllichten Tage den „Kelchjob“ zu klären. Die Lieferwagen waren alle unterwegs, aber das Pferd und der Pferdewagen waren zu Hause. Der Nachbar Kaspar Donners und ich selbst machten uns auf den Weg, mit einigen Wäschekörben gewappnet. Nachdem wir die Körbe fast voll hatten, ging ich auch mal in der Sakristei nachsehen, ob es da gab nicht auch „schmutzige Messgewänder“ gab. Die Monstranzen, Kelche und Messgewänder verteilten wir über die Wäschekörbe unter der schmutzigen Wäsche , die Arbeiter halfen uns, die schweren Körbe auf das Fuhrwerk zu hieven und Kaspar und ich kamen unversehrt nach Hause. Onkel Eck konnte die Patres beruhigen, dass alles nach Wunsch verlaufen war. Wir blieben jedoch auf einem großen Wert an Feindesvermögen sitzen. Aber das war noch nicht alles.
Der Reichsjugendführer Rosenberg kam aus Litauen. Der neue Vorstand (der Reichsschule) wollte ihm eine Bibliothek aus Litauen schenken und so etwas gab es in der Bibliothek der Jesuiten. Aber sie konnten sich nicht zurecht finden, weil die Kartei durcheinander war. So wurde der Pater Bibliothekar aus Deutschland zurückgeholt. Er sollte diese Buchreihe zusammenstellen. Nun, der Pater bat mich, weiterhin die Wäsche der Reichsschule zu waschen. Wenn der Fahrer käme, würde er es schon schaffen, einige Bücher unter der Wäsche zu verstecken.
Außerdem schmuggelte er kleinere Exemplare selbst heraus, unter seiner langen Soutane verborgen. Und so kam jede Woche, solange der Pater dort arbeitete, ein kostbares Buch zu uns. Im Kleiderschrank in unserem Schlafzimmer hingen kostbare handbestickte Messgewänder, hinter unseren Kleidern waren die Kelche versteckt. Und im Archivraum hinter dem Büro standen die alten Bücher. Schon bald wurde mir schnell auf unsanfte Weise klar gemacht, dass diese Lagermethode lebensgefährlich war.

Album : Widerstand

Pierre Schunck
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